Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelverschwendung

Laut WWF Studie aus diesem Jahr (2018) werden 18 Mio. t Lebensmittel in Deutschland verschwendet.

Die Studie berichtet weiterhin, dass mehr als 50% davon vermeidbar sind. Eine erschreckende Zahl! Lebensmittelverschwendung ist ein zentrales Thema, welches mir in den Betrieben, in denen ich bisher gearbeitet habe, auch immer wieder begegnet ist. In Lebensmitteln stecken so viele kostbare und elementare Ressourcen wie Wasser, Energie, landwirtschaftliche Nutzfläche, Rohstoffe und menschliche Arbeit. Neben dem wichtigen ethischen Aspekt, dass Menschen hungern während andere entsorgen, ist aber auch der betriebswirtschaftliche Faktor wichtig.
Um diese Zahl von 18 Mio. t für mich persönlich etwas fassbarer zu machen, habe ich weiter recherchiert. Laut Ergebnis einer GFK Studie vom Oktober 2017, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht hat, liegt die Lebensmittel-Abfallmenge von Haushalten pro Person und Tag bei ca. 150g. Von diesen 150g sind laut beiden Studien ca. 50% vermeidbare Lebensmittelverschwendung!
Beim Lesen des wirklich interessanten GFK Abschlussberichtes der Studie, bin ich gedanklich durch meinen Haushalt gewandert und habe mich gefragt, wo sind diese 150g? Ok – nicht vermeidbar ist schnell gefunden, denn die Studie klärt darüber klar auf, das dazu Kaffeesatz, Teebeutel und auch Bananenschalen gehören. Bleiben aber noch 75g, die  ich ganz persönlich vermeiden könnte. Neben dem ethischen Aspekt – auch rein wirtschaftlich betrachtet: „Kann ich da etwas sparen?“

Und was soll ich sagen: Ich habe mich ertappt! Hier sind meine Verschwendungen:

  • Kartoffeln:
    Ich kaufe sie in zu großen Mengen (Netze im Supermarkt) Hier sollte ich auf lose Ware umstellen.
  • Saucen & Ketchup:
    Ja, zum großen Grillen gehört immer auch Ketchup. Aber ansonsten brauche ich das Produkt nie. Was mach ich also mit dieser angebrochenen Packung. Sie steht rum, frisst auch noch Ressourcen (Energie und Platz) im Kühlschrank und geht dann in die Tonne. Auf geht’s, ich werde Rezepte suchen und hier zukünftig bedarfsgerecht und frisch diese Produkte selber produzieren. Das ist toll, denn meine Gäste werden begeistert sein, wenn ich Ihnen das berichte.
  • Mengenplanung:
    Wenn ich Gäste erwarte, tische ich immer zu viel auf. Jetzt sind meine Mengen zu Hause nicht interessant für eine Spende an soziale Einrichtungen, aber im „Rework“ hab ich Verbesserungspotenziale erkannt. Chargenführung ist ja für mich an dieser Stelle nicht relevant, aber auch hier gibt es entsprechende Lösungen.

Laut der GFK Studie lassen sich 4 Faktoren vermeidbarer Lebensmittelverschwendung identifizieren:

  1. Haltbarkeit
  2. Zu große Produktionsmenge
  3. Mengenproblem – Einkaufsmengen
  4. Sonstige Gründe (schmeckt nicht, versalzen, verbrannt, etc, Unfall, Lagerung
Geht man mit diesen 4 Aspekten auch mal durch seine eigene Produktion entdeckt man direkt viele Optimierungsmöglichkeiten. Und das sollte man auch dringend tun, denn laut WWF liegt die Verschwendung von Lebensmitteln innerhalb der Wertschöpfungskette bei 60% der 18 Mio. t. Das bedeutet: 11 Mio. t entsteht im Laufe der Produktionsstufen.
Neben den betriebswirtschaftlichen Einsparungen verstecken sich hier eine Mengen Themen: Optimierung im Verkauf, Einkauf, Produktion, Verbesserung von Mitarbeiter Know-how in Prognose, Lagerung und Produktion und nicht zu vergessen einzigartige Geschichten für das Marketing an den Konsumenten. Von einem solchen Ansatz profitieren Betriebe auf allen Stufen.
Zurück zur WWF Studie zum Thema „Lebensmittelverschwendung – Was tut die Politik? Ein Blick auf die Bundesländer.“ Hier einmal quer zu lesen ist spannend. Die Studie zeigt die unterschiedlichen Herangehensweisen der Länder auf. Neben der berechtigten Kritik des WWF, dass man sicher mit gebündelten Maßnahmen schneller und konkreter dem Problem auf den Leib rückt, hab ich als Leser eine Vielfalt an Maßnahmen kennengelernt.
Einen Überblick hierzu liefert die Seite : https://www.lebensmittelwertschaetzen.de.
Am meisten Freude hatte ich, aber auch ganz persönlich, an dem letzten Absatz der GFK Studie, denn er bestätigt meinen aktuellen Eindruck zum Thema Lebensmittel:
„Insgesamt geht es aber sicher auch darum, die Wertschätzung für Lebensmittel wieder zu erhöhen und dabei alle Beteiligten der Wertschöpfungskette einzubeziehen: Die Hersteller mit einer noch stärkeren Betonung der Wertigkeit ihrer Produkte, was z.B. bedeutet, weniger über Preis und Menge zu agieren, wie auch den Handel, der ebenfalls Impulse auf Qualität und Uptrading, denn auf Promotions- und Mehrverkäufe setzen sollte. Die Zeiten dafür sind günstig. 2017 hat die Qualitätsorientierung der Verbraucher ihr bislang höchstes Niveau erreicht. Das bedeutet, dass sie wieder eher bereit sind, für gute Lebensmittel einen höheren Preis zu entrichten. Und was einem gut und teuer ist, das wirft man nicht auf den Müll.“ (Quelle: GFK Studie)
Und meine Kartoffeln kauf ich nur noch lose und bedarfsgerecht!
QUELLEN:
WWF Studie: Bundesländer und Lebensmittelverschwendung
GFK Studie: Systematische Erfassung von Lebensmittelabfällen der privaten Haushalte in Deutschland. Schlussbericht zur Studie

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